Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden alle Kampfkünste in Japan von den amerikanischen Besatzern verboten, doch Ninjutsu überlebte im Geheimen. Viele der alten Schulen verschwanden, weil die letzten Großmeister keine Nachfolger hatten und ihre Manuskripte zerstörten. In den friedlichen Zeiten wandelten sich viele Kampfkünste von "jutsu" (Technik) zu "dō" (Weg).
Ishitani Takakage Matsutaro, ein Meister der alten Tradition, widersetzte sich dieser Veränderung. Ohne Schüler oder Dōjō verbarg er sich und traf schließlich auf den jungen Takamatsu Toshitsugu, den er als Nachfolger in die Künste des Kukishinden-ryū einweihte. Takamatsu wurde Großmeister und setzte seine Kampfkunstreisen in China fort, bevor er sich in Japan als spiritueller Meister niederließ.
Hatsumi Masaaki, der in jungen Jahren in verschiedenen Kampfkünsten trainierte, traf schließlich Takamatsu und wurde dessen Schüler. Unter dessen strenger Anleitung erlernte Hatsumi die wahre Essenz des Ninjutsu. Nach Jahren intensiven Trainings erbte er schließlich die Position des Großmeisters der neun Schulen, die Takamatsu verkörperte.
Ninja-Ausbildung damals
In der frühen Geschichte wurde man als Ninja geboren und starb als solcher. Von klein auf wurden die Kinder in den geheimen Künsten des Clans ausgebildet. Schon ab fünf Jahren begannen ihre „Spiele“, ihre Balance und Geschicklichkeit zu trainieren. Mit neun Jahren startete intensives körperliches Training, einschließlich Rollen, Sprünge und Atemkontrolle. Sie lernten, Folter zu ertragen und Kälte oder Hunger auszuhalten.
Mit zunehmendem Alter wurden sie in den waffenlosen Kampf sowie in Schwert- und Stabtechniken eingeführt. Als Teenager beherrschten sie versteckte Waffen, Klingenwerfen und Kettentechniken. Sie trainierten auch Schwimmen, sich lautlos zu bewegen und über lange Distanzen zu laufen. Ninja sollten in der Lage sein, 110 Kilometer pro Tag zurückzulegen.
Neben dem körperlichen Training spielte die mentale Entwicklung eine entscheidende Rolle. Meditation und Atemtechniken halfen, störende Gedanken zu verbannen und die innere Ruhe zu bewahren. Gelassenheit und ein klarer Geist waren essenziell im Kampf. Frei von Angst und Emotionen war der Ninja bereit, jeden Gegner zu besiegen. Der Einsatz von kuji in (Fingerzeichen) unterstützte das Selbstvertrauen und die Wahrnehmung. Zudem beherrschten Ninja auch Hypnosetechniken (Saiminjutsu), um sich geistig in jeder Situation zu behaupten.
Weibliche Ninja – Kunoichi
Kunoichi (jap. くノ一, Kunstwort welches sich aus dem zerlegten Schriftzeichen für Frau (女, onna) ergibt und später mit der umgangssprachlichen Assoziation "tödliche Blume" in Zusammenhang gebracht wurde) wurden ähnlich wie ihre männlichen Gefährten ausgebildet, jedoch mit besonderem Fokus auf subtilere Techniken im Bereich des Nahkampfs. Anstatt offensiver Gefechtstaktiken setzten sie auf Psychologie, Manipulation und Intuition. Neben einer soliden klassischen Ausbildung, wie dem taijutsu, bōjutsu und kenjutsu, erlernten sie außerdem spezifische Methoden zur Verteidigung gegen körperlich überlegene Gegner und Fluchttechniken. Große militärische Einsätze blieben jedoch den männlichen Ninja vorbehalten.
Auch heute noch ist es üblich, dass Männer und Frauen die Ninjutsu Disziplinen zusammen erlernen und gemeinsam trainieren.
Körperliches Training im Ninjutsu
Taijutsu, wörtlich „Körperkunst“, bildet die fundamentale Grundlage des Ninjutsu. Das Ziel dieses Trainings ist es, eine natürliche und anpassungsfähige Kampfweise zu entwickeln, die perfekt auf den jeweiligen Kämpfer abgestimmt ist. Ein tiefes Verständnis des menschlichen Verhaltens und Körperbaus ist entscheidend. Im Gegensatz zu Wettkampfsportarten zielt Taijutsu nicht auf das Sammeln von Trophäen oder das Erreichen von Gürtelgraden ab. Es wurde entwickelt, um im Ernstfall zu überleben und Kämpfe schnell und effektiv zu beenden, ohne sich durch selbstauferlegte Regeln einzuschränken.
Keine choreographische Natur
Viele Menschen assoziieren Kampfkunst mit Fairness und Wettkampf. Diese Auffassung wird oft auf Systeme wie Karate oder Jūdō angewendet, die auf Wettkampfregeln basieren. Diese Regeln schränken jedoch die Anwendbarkeit als Selbstverteidigung ein, da es im Straßenkampf keinen zweiten Platz gibt. Ninjutsu hingegen zielt auf den Sieg ab und nutzt jede verfügbare Methode. Der Fokus liegt nicht auf dem starren Erlernen von Techniken, sondern auf dem Erkennen und Kontrollieren der eigenen Gefühle im Kampf. Das System ist flexibel und integriert unzählige Techniken, von unbewaffnetem Kampf über Stock- und Schwerttechniken bis hin zu anderen Waffen. Der Schüler entwickelt so ein umfassendes Gefühl für das Kampfsystem, das im Gegensatz zu festgelegten Technikabläufen steht.
Effiziens und Essenz
Im Ninjutsu wird der Schüler nicht gezwungen, Tiere zu imitieren oder seine Körperhaltung zu verformen. Stattdessen lernt er, durch kleine Anpassungen der Haltung und des Schwerpunkts einen stabilen und überlegen Stand einzunehmen. Die Prinzipien des Ninjutsu basieren auf der Harmonie mit der Natur und den fünf Elementen: Erde, Wasser, Feuer, Wind und Leere.
Körperwaffen
Im Ninjutsu wird der gesamte Körper als Waffe eingesetzt, nicht nur Hände oder Füße. Das Prinzip des taijutsu basiert darauf, dass jede Körperpartie flexibel als Verteidigungs- oder Angriffswaffe genutzt werden kann. Hände können von Greifwerkzeugen zu schlagenden Fäusten oder krallenartigen Griffen übergehen, während Füße sowohl für Tritte als auch Kniestöße verwendet werden. Auch Hüfte und Schultern spielen eine zentrale Rolle, etwa beim Hebeln oder Rammen.
Ein wesentliches Merkmal des Ninjutsu ist die Nutzung dynamischer Bewegungen und das Zusammenspiel von Körperenergie, Atmung und einem ausgeglichenen Körper, um die maximale Wirkung zu erzielen. Es wird nicht nur rohe Muskelkraft verwendet, sondern eine geschickte Kombination von Geschwindigkeit und Wissen über empfindliche Punkte am menschlichen Körper. Diese Mischung aus Technik und natürlicher Kraft macht den Körper des Ninja zu einer vielseitigen und effektiven Waffe.
Zum Training des eigenen taijutsus gehören auch
Ninja-tō
Das Ninja-tō, auch als Ninjaken oder Shinobi Katana bekannt, war ein essenzielles Werkzeug der Ninja. Im Vergleich zu den eleganten und wertvollen Schwertern der Samurai, wie der Katana oder dem Tachi, war das ninja-tō funktional und schlicht. Die Klinge war deutlich kürzer, was dem Ninja größere Beweglichkeit und Flexibilität im Nahkampf ermöglichte. Oft war die Klinge gerade oder bestand aus einer gekürzten Katana. Der Handschutz (Tsuba) war nicht aufwändig verziert, sondern funktional – größer und häufig eckig, um ihn als Kletterhilfe zu verwenden. Das Schwert wurde meist an der Seite getragen, selten über dem Rücken oder Bauch, und der Griff diente als Versteck für Gifte, Heilmittel oder Chemikalien. Die Saya (Schwertscheide) konnte mit einem Blasrohr oder Atemrohr versehen sein.
Mit Ninja-tō wird bei uns nur gelegentlich und erst ab dem 3. Kyu (grüner Gürtel) und generell nur kontaktlos trainiert. Besonders bei den Kata, den Schwertformen, kommen sie bei uns zum Einsatz. Bō ken – auch Bokken oder Bokutō – sind Holzschwerter zum Üben. Dies sind auch unsere gewöhnlichen Trainingsschwerter im Waffentraining. Es sind einige bokken in der Trainingshalle vorhanden, die genutzt werden können, mittelfristig macht es aber viel Sinn sich ein eigenes anzuschaffen.
Ninjakleidung
Der Shinobi Shōzoku oder Ninnikuyoroi war der klassische Anzug der Ninja, gefertigt aus dunklem, grobem Stoff – meist in Grau, Dunkelblau oder Schwarz, im Winter auch in Weiß-Grau. Dieser Anzug, der fast den gesamten Körper bedeckte, ermöglichte es den Ninja, in der Dunkelheit mit den Schatten zu verschmelzen. Dennoch wurde er selten getragen, da es oft klüger war, in unauffälliger Kleidung, wie der eines Fischers oder Bauern, zu agieren. So konnte ein Ninja, wenn er entdeckt wurde, eine glaubhafte Ausrede vorbringen. Ein gefangener Ninja im Anzug hingegen hätte sicher mit seinem Tod gerechnet.
Moderne Erkenntnisse legen nahe, dass der Anzug nicht rein schwarz war, da Schwarz in der Nacht auffälliger wirkt als ein dunkles Grau. Auch die ikonische Maske, wie sie heute oft dargestellt wird, wurde vermutlich selten benutzt, da sie das Hören beeinträchtigt hätte – eine essenzielle Fähigkeit im Schutz der Dunkelheit. Stattdessen wurden häufig einfache Tücher um den Mundbereich gebunden.
In einigen Schlachten wurden von Ninja spezielle, durch vielschichtige lackierte Papieroktaeder versehene Rüstungen getragen, die aufgrund ihrer kleinteiligen Verstärkungsplatten deutlich beweglicher waren und mehr Agilität zuließen als die aus großen Rüstungsplatten bestehenden Samurairüstungen.
Das Training bei uns findet in der Regel barfuß statt und mit einer einfachen, schwarzen Gi (Kampfsportanzug) in einer Stärke von zwischen 8 oZ. - 12 oZ. und dem Rang entsprechenden Kampfsportgürtel.
Für den Anfang oder bei Probetrainings ist es aber absolut ausreichend erst einmal in dunkler Sportkleidung mitzutrainieren.
Zu den heute noch gelehrten, zum Ninjutsu zählenden Disziplinen gehören (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Ninpō-taijutsu (waffenloser Kampf), Kenjutsu (schwertkampf) sowie dazugehörig Iai jutsu (Schnellziehtechniken, Tantōjutsu (Messerkampftechniken), Bōjutsu (Stockkampftechniken), Hanbōjutsu (Kämpfen mit halblangem Bōstab),
Techniken mit Kyoketsu shoge (Techniken mit Seil und Klinge), Kusarigama (Kettensichel), Shurikenjutsu (scharfe Wurfwaffen) im Prinzip, Tessen (Kriegsfächer), Sai (stumpfe, gabelförmige Hieb- und Stichwaffe), Toami (Netz), Naginata (Sichellanze), Tekkō-kagi und Shukō (Krallentechniken) und viele mehr.
Kyōmon
Kyōmon, die praktische Erziehung oder auch Dojō-Etikette, wird insbesondere bei den traditionellen Kampfkünsten vorausgesetzt und versteht sich als ein Prozess des stetigen Lernens. Dieser setzt vom Schüler Aufmerksamkeit, Respekt, Demut und Lernwilligkeit voraus.
Das Mikkyō (tantrische Lehren des Buddhismus) spielte eine zentrale Rolle im Leben der Ninja, da es ihnen half, mit der Natur und der Welt in Einklang zu gelangen. Es betont, dass es keinen Zufall gibt – alle Ereignisse, ob als Glück oder Unglück interpretiert, sind Manifestationen unkontrollierter Kräfte. Um diese Realität zu erfassen, ist eine richtige geistige Einstellung notwendig.
Die Ninja verbanden wissenschaftliches Interesse an Naturprozessen mit tieferem spirituellen Wissen. Obwohl einige dieser Konzepte in der modernen Wissenschaft noch nicht vollständig verstanden werden, wie die Wirkung des Geistes oder die Funktionsweise von Meridianen, öffnen sich immer mehr Menschen alten asiatischen Künsten, wie der Akupunktur.
Ninja verpflichten sich keiner spezifischen Religion, sondern ziehen wertvolle Prinzipien aus verschiedenen Glaubensrichtungen. Es ist jedoch wichtig, eine ethische Grundlage zu haben, um als echter Ninja zu gelten. Der Fokus auf reine körperliche Fähigkeiten, wie das Zerschlagen von Brettern oder der Sieg in Turnieren, steht im Widerspruch zu den tieferen Zielen des Bujinkan budō taijutsu.
Das Konzept des Godai im Ninjutsu bezieht sich auf die fünf elementaren Erscheinungsformen: Leere, Wind, Feuer, Wasser und Erde, die das Universum und den Menschen beschreiben. Es entstammt dem mikkyō und lehrt, dass alle physischen Aspekte aus einer Quelle kommen. Diese Elemente symbolisieren verschiedene Bewusstseinsebenen und Zustände des Menschen.
Zum Beispiel steht Erde für Stabilität und Standhaftigkeit, Wasser für Anpassungsfähigkeit, Feuer für dynamische Energie, Wind für Weisheit und Liebe, und Leere für Kreativität und Flexibilität. Jede dieser Ebenen beeinflusst, wie ein Ninja die Welt erlebt, seinen Körper beherrscht und in Kampfsituationen reagiert.
Das Ziel ist, alle Ebenen harmonisch zu verstehen und anzuwenden, um die kosmischen Gesetze zu erkennen und ein natürliches, intuitives Bewusstsein zu entwickeln.
Das Gogyō-System basiert auf den daoistischen Lehren und beschreibt die kontinuierlichen Verwandlungszyklen der fünf Elemente: Wasser (auflösend), Holz (wachsend), Feuer (verdampfend), Erde (verdichtend) und Metall (härtend). Im Gegensatz zum Godai-System geht es hier um dynamische Prozesse, die auf der Yin- und Yang-Theorie basieren und die zyklischen Veränderungen in der Natur und im Menschen symbolisieren.
Jedes Element bringt ein anderes hervor (z. B. Holz erzeugt Feuer) und kontrolliert zugleich ein weiteres (z. B. Wasser löscht Feuer). Diese Zyklen spiegeln die Wechselwirkungen im Universum wider, die auch im menschlichen Körper und Verhalten Anwendung finden.
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